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Briten

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Briten und Opium

Britischer Imperialismus

Beim Wiener Kongreß 1814/15 hatte Großbritannien die Wiederherstellung des Gleichgewichts der europäischen Mächte und den Bestandsschutz seiner kolonialen Neuerwerbungen erreicht. Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts stand im Zeichen einer massiven Industrialisierung, verbunden mit dem Übergang zum vollen Freihandel. Spätestens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erreichte die britische Vormachtstellung in Europa und der Welt ihren Höhepunkt.

Wie die Briten Hongkong dem mächtigen chinesischen »Reich der Mitte« abzupressen vermochten? Also: noch lange Zeit glaubte man am Pekinger Kaiserhof, man könne die Briten wie in fernen Provinzen lebende Vasallen behandeln. An Selbstbewußtsein mangelte es den Chinesen, nicht zuletzt infolge der jahrhundertelangen selbstgewählten Isolation, also nicht. Ende des 18. Jahrhunderts nun warb der englische König Georg III. um die Aufnahme von Handelsbeziehungen zwischen dem Empire und China und schickte auch gleich ein paar Werbepräsente mit. Irgendetwas muß er falsch gemacht haben, denn der Kaiser ließ ihn herablassend wissen, er schätze technische Erzeugnisse made in England nicht und könne auf den Handel verzichten. Ansonsten seien Tributleistungen der britischen Vasallen jederzeit willkommen, wenn auch für China ohne den geringsten Nutzen. Ein harter Schlag für das Selbstbewußtsein der auf Welthegemonie ausgerichteten englischen Handelspolitik. Der Kaiser von China hatte die Rechnung aber ohne die Hartnäckigkeit der Inseleuropäer gemacht, und so gelang es schließlich einer Handvoll Kaufleuten doch, in Kanton ihre Handelsniederlassungen zu gründen, ganz so, wie es den Portugiesen schon früher vergönnt war. Die äußeren Bedingungen waren allerdings miserabel: so mußten die Frauen und Kinder der Kaufleute im portugiesischen Macao Wohnung nehmen (später auch die Männer), durften die Stadt nur ausnahmsweise und mit Genehmigung betreten und mußten sämtliche Transaktionen über chinesische Mittelsmänner abwickeln. Zunächst saßen die Chinesen also am längeren Hebel und schlugen auch den größeren Profit aus den widerwillig akzeptierten Handelsbeziehungen zu England. Aber das Blatt sollte sich bald wenden ...

Der Opiumkrieg

Im frühen 19. Jahrhundert umweht ein zäher Opiumnebel die britische Kronkolonie. Die gewichtige historische Rolle des Opiums ist übrigens eng verknüpft mit den diplomatischen und kommerziellen Beziehungen zwischen China und Großbritannien: der begehrten Droge fiel die Funktion des Zahlungsmittels zu, nachdem es den Engländern lästig geworden war, ihre negative Handelsbilanz mit Silber auszugleichen.

Begonnen hatte der Chinahandel mit Transaktionen zwischen kantonesischen Geschäftsleuten und diversen ausländischen Firmen, die mit den Portugiesen in Macao in Kontakt standen. Tee, Seide, Porzellan, Lackarbeiten, Rhabarber, Teppiche und alle anderen begehrten chinesischen Waren wurden zu dieser Zeit, ganz wie es dem Willen des Kaisers von China entsprach, bar in Silber bezahlt. Angesichts dieses massiven Abflusses von Edelmetallen geriet die britische Handelsbilanz bald aus dem Lot – dummerweise zugunsten der Chinesen – und die East India Company verfiel auf die rettende und zugleich infame Idee, Opium aus Indien als Zahlungsmittel einzuführen. Die pragmatischen Briten gaben ihre ehernen Prinzipien kurzerhand an der Garderobe ab, hielten sich offiziell jedoch aus dem schmutzigen Geschäft heraus. Den Opiumhandel zu stören oder gar zu unterbinden, fiel den amtlichen Stellen im Traum nicht ein. Zwei Schotten, Jardine und Matheson, nahmen den Rauschgifthandel in die Hand; zum Nachteil der chinesischen Regierung, die mit Einfuhrverboten vergeblich versuchte, das ausländische Gift fernzuhalten.

1839 ordnete der Kaiser von China nach sechswöchiger Belagerung die Vernichtung der Lagerbestände in Kanton an: über zwanzigtausend Kisten gingen in Flammen auf oder landeten im Wasser. Wutentbrannt verlangten die englischen Händler eine Entschädigung von den chinesischen Behörden. Die winkten ab, und es kommt zum ersten »Opiumkrieg« zwischen einem britischen Expeditionskorps und chinesischen Truppen. Nach drei Jahren (1840-1842) ging er im August 1842 mit der Unterzeichnung des Vertrags von Nanking – von Historikern als Zäsur in den europäisch-ostasiatischen Beziehungen betrachtet – zu Ende, in dem China u.a. die Abtretung der Insel Hongkong an die Briten »für alle Zeiten« bestätigte und sich verpflichtete, fünf Seehäfen ausländischen Kaufleuten zu öffnen. Hongkong war jetzt also britische Kronkolonie. Kleine Anekdote am Rande: beiden Unterhändlern sollte die Unterzeichnung des Vertrages die Karriere kosten: Captain Charles Elliot mußte sich vorhalten lassen, er habe die britischen Interessen für eine kahle, unbewohnte Insel verhökert; und der chinesische Vizekönig Quisham wurde zunächst zum Tode verurteilt, weil er den barbarischen Langnasen chinesischen Grund und Boden überlassen hatte. Elliot wurde als Konsul ins ungeliebte Texas abgeschoben, Quisham begnadigt, sein Hab und Gut jedoch beschlagnahmt und er selbst nach Nordostchina verbannt. Undank ist der Welten Lohn ...

Die Briten waren mit ihrer Beute also unzufrieden, pfiffen auf die Bestimmungen des Vertrages und zwangen die Chinesen, englische Diplomaten bei Hof zu akkreditieren. Unter einem Vorwand zettelten sie 1856 den Zweiten Opiumkrieg an, so dass 1859/60 auch die Halbinsel Kowloon »für alle Zeiten« in britischen Besitz überging.

1898 mußte das gebeutelte China nach neuerlichen Verhandlungen auch noch die heute »New Territories« genannten Gebiete und hunderte vorgelagerter Eilande, immerhin 730 km², für neundundneunzig Jahre an Großbritannien »verpachten«.