Machen wir ein Buch?

Reise, Sachbuch, Belletristik ...?
Alle interessanten Themen;
alles was bewegt.

Hier geht´s weiter!

Wirtschaft

Body: 

Thailändische Wirtschaft

Industrielle Entwicklung

Auf der Basis eines knallharten Kapitalismusses ist Thailand heute in der Lage, stolze Wirtschaftsstatistiken mit glänzenden Zahlen vorzuweisen. Dieser für asiatische Verhältnisse enorme Reichtum und Überfluß beinhaltet jedoch einige wunde Punkte. Jährlich fehlen einige Milliarden Dollar im Staatshaushalt, und die demographische Entwicklung, das Bevölkerungswachstum also, ist auch noch nicht im Griff, auch wenn dieses nicht davongaloppiert (2,2 % jährlich, was bedeutet, dass sich die thailändische Bevölkerung in fünfunddreißig Jahren verdoppelt haben wird). Zudem profitierte in den achtziger Jahren vor allem der Moloch Bangkok, wo sich die meisten Unternehmen konzentrieren, während der ländliche Raum mit 70 % der Bevölkerung ins Hintertreffen geriet. Viele Bauern mußten sich nach schlechten Ernten, Trockenheiten und infolge hoher Pachtzinsen bis über beide Ohren verschulden. Das Nachsehen hat auch die Ökologie: die thailändischen Regenwälder sind auf Restbestände zusammengeschrumpft, die Hauptstadt steht vor einem Verkehrskollaps – Luftverschmutzung und Lärm übertreffen längst die üblen Verhältnisse in Mexiko-Stadt oder Kairo – Spekulation und Bauboom führen selbst in verschlafenen Provinzstädten wie Chiang Rai, Chiang Saen oder Mae Hong Son zu Natur- und Kulturzerstörung. Dessen ungeachtet zeigen sich die Thais mächtig stolz auf ihr Wirtschaftswachstum, das deutlich über jenem der meisten südostasiatischen Länder liegt. Nur China und Malaysia verzeichnen höhere Wachstumsraten.

Was der thailändischen Wirtschaft fehlt, das sind die Schlußsteine im komplizierten Gewölbe moderner Industriegesellschaften: Energie (abgesehen von geringen Erdgasvorkommen im Golf von Siam) oder ein sicherer Exportartikel, der die Erdölrechnung etwas ausgleichen würde; Teakholz, Edelsteine, Gold und Seide sind leider nicht mehr so gefragt. Eine moderne Wirtschaft kann nur mit Hilfe einer effizienten Infrastruktur funktionieren, was beträchtliche Investitionen erfordert. U.a. Japan steckt astronomische Summen in dieses Land mit für diesen Teil der Welt recht stabilen politischen Verhältnissen. Dass die Militärs in gewissen Zeitabständen immer mal wieder Regierung, Parlament und Verfassung aushebeln, tut der Profiterwartung im Gegensatz zu sozialen Massenunruhen und Demokratiebewegungen keinen Abbruch.

Nach einhelliger Meinung internationaler Fachleute sind die wirtschaftlichen Aussichten Thailands blendend. In wenigen Jahren könnte es dem erlauchten Klub der »Jungen Tiger« beitreten, in dessen Kartei Länder wie Hongkong, Singapur, Taiwan, Südkorea und Malaysia bereits als Mitglieder geführt werden.