Kirchen
Kirchen und Friedhöfe
Sao-Domingo / Teehaus Lok Kok
Alter protestantischer Friedhof (Cemitério Protestante): Praça Luis de Camoes, Nähe Camoes-Museum; Pforte rechts vom Museumseingang. Die Grabsteine erinnern an die ersten nicht-portugiesischen (und damit überwiegend nicht-katholischen) Händler, die es nach Macau verschlug. Über dem Eingang zum Friedhof trägt eine Marmortafel die Inschrift »East India Company, Old Protestant Cemetery, 1814«. Dass etliche Gräber älter sind als dieses Datum, hat durchaus seine Richtigkeit: bei der Anlage des protestantischen Friedhofs verlegte man ältere Gräber von außerhalb der Stadtmauern hierher.
In einem anglikanischen Kirchlein werden bis heute sonntags Gottesdienste in der Sprache Shakespeares abgehalten. Rundum bezeugen zahlreiche Grabsteine englischer, amerikanischer, deutscher, holländischer und dänischer Company-Bediensteter, dass mit der Malaria und der christlichen Seefahrt nicht zu spaßen ist: die einen wurden in jungen Jahren vom Fieber geschüttelt, die anderen brachen sich an Bord das Genick ... Aber die »Belegschaft« des Gottesackers beschränkt sich nicht auf die Zunft der Handeltreibenden: man denke nur an den hier bestatteten englischen Maler George Chinnery (Grab mit Gedenktafel), an Dr. Robert Morrison, den Herausgeber des ersten englisch-chinesischen Wörterbuches und Übersetzer der Bibel ins Chinesische, an Captain Lord Sir Spencer Churchill, den Vorfahren Winston Churchills, oder an den Deutschen F.W. Schnitgers, »geboren zu Pleuhn in Holstein, 31. May 1773, nach vielen Leiden in Macao gestorben«. An einen gewissen Christian Johann Friedrich Ipland aus dem dänischen Apenrade gemahnen gar zwei Grabsteine: einer stammt von dessen Kollegen, der zweite wurde von der mißtrauischen Witwe übers Meer geschickt, die nicht an die solide Beschaffenheit des fernöstlichen Steinwerks glauben mochte. Hoffentlich gibt´s da bei der Auferstehung kein Kuddelmuddel ...
Sao-Domingos-Kirche: Rua de Sao Domingos. Barockes Werk spanischer Dominikanermönche aus dem 17. Jahrhundert, die es an prächtigen Skulpturen nicht haben fehlen lassen. Unter den Statuen auch eine Nossa Senhora de Fátima, zu deren Ehren alljährlich am 13. Mai eine gewaltige Prozession stattfindet. Falls jemand in Wunderdingen nicht auf dem Laufenden sein sollte: an einem 13. Mai erschien die Jungfrau Maria drei portugiesischen Hirtenkindern, um damals schon das Ende der Mauer und die Bekehrung Honeckers zu prophezeien ...
Sao-Lorenzo-Kirche: eine der schönsten Kirchen Macaus; auf einer Anhöhe gelegen, von einem Garten umgeben und mit gelb-weißer Barockfassade.
Luís-de-Camoes-Denkmal: der große portugiesische Nationaldichter (geb. gegen 1525, gest. 1580, wahrscheinlich an der Pest) hat einen Teil seines Exils als Kolonialsoldat, zum dem er nach Kerkerhaft 1553 begnadigt wurde, auf Macau zugebracht. Seine Büste steht in einer alkovenartigen Felsgrotte hinter dem ihm gewidmeten Museum. Weltruhm erlangte Camoes, der nach Bewilligung eines lächerlich geringen Gnadengehalts durch König Sebastian die letzten Jahre, ganz wie es sich für einen Poeten geziemt, in Dürftigkeit in Lissabon zubrachte, mit seinem Epos »Die Lusiaden«. Teile davon soll er im heutigen Luís-de-Camoes-Park (Jardim Luís de Camoes, Plan A2) zu Macau verfaßt haben.
Teehaus Lok Kok Yum Cha: wörtlich übersetzt, bedeutet der Name »den Tee einnehmen«, aber ein Chinese wird darunter viel mehr verstehen: ein morgendliches Ritual nämlich, bei dem man sich unterhält, Zeitung liest und dem Gesang der Käfigvögel lauscht. Dieser Salon hier ist ein ganz besonders malerisches Exemplar. Er befindet sich in der Rua do Cinco de Outubro, in Hafennähe.